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Liebes Tagebuch...

 ...von klein auf war ich ein sehr aktives Kind. Computer und Spielzeug bedeuteten mir nie auch nur so viel wie draussen zu sein und Sport zu treiben. Schon früh übte ich alle erdenklichen Ballsportarten aus - Fußball, Tennis, Basketball oder Tischtennis... Es gab kaum eine Sportart, die mich nicht direkt in ihren Bann zog. Nur jemals einen Golfschläger in der Hand zu haben, kam mir nicht in den Sinn.

Einerseits deswegen, weil ich von einer Zeit spreche, die bereits mehr als 20 Jahre zurückliegt. Und sind wir mal ehrlich, Golf war zu dieser Zeit bei weitem nicht so zugänglich wie heute - vor allem nicht für Kinder! Andererseits kam hinzu, dass niemand in meinem Umfeld, seien es Familie oder Freunde, auch nur den Gedanken in sich trug, einen Golfschläger zu schwingen.

Das Weihnachtsfest 1998 sollte all dies jedoch verändern und dafür sorgen, dass ich der kleinen weißen Kugel nicht weit entfernt blieb, sondern ihr plötzlich ganz nahekam. Denn wie wir alle wissen, können Ehefrauen nicht nur aufmerksam sein. Nein, gelegentlich versuchen sie auch den Lauf der Dinge zu beeinflussen:

"Was soll ich damit? So alt bin ich doch nun auch wieder nicht!"
Den Anblick meines Vater beim Auspacken seines Weihnachtsgeschenkes werde ich wohl nie vergessen. Wie ihm, dem Tennisspieler, seine Gesichtszüge entglitten, als er eine Golftasche mit klappernden Schlägern in der Hand hielt. Die Antwort meiner Mutter darauf: "Du wirst schon sehen." Und sie sollte Recht behalten. Drei Monate später brach mein Vater zu seinem ersten Trainingslager nach Portugal auf. Mit im Gepäck: Seine neue Golftasche und mein Patenonkel, einem Hobbygolfer, der als "Trainer" für meinen Vater fungieren sollte.

Ich selbst war zwar nicht mit an Bord dieser Reise, habe aber häufig diese Geschichte gehört: Mein Vater musste zwei Tage lang sinngemäß Blut und Wasser schwitzen. Vereinzelte Blasen zeichneten sich schon an seinen Händen ab. Dann aber flog der erste Ball und er wurde süchtig - süchtig nach dem Gefühl, seinen Golfball zum Fliegen zu bringen. Eine Sache war mir damals als Kind schon immer an dieser Geschichte deutlich geworden: Mein Vater war infiziert und zwar mit dem Golfervirus! Glücklicherweise sollte es nicht lange dauern, bis auch ich die Chance bekommen sollte, mich anzustecken.

Nur sechs Monate später brach die ganze Familie in den gemeinsamen Urlaub auf. Ziel der Reise war erneut Portugal. Ziel meines Vaters - nachtragend wie so manch ein Ehemann es hin und wieder einmal ist - war die passende Retourkutsche an meine Mutter: Auch sie müsse nun mit Golfspielen anfangen! Neugierig wie ich war, konnte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen und begleitete die beiden zum Palmares Golf Resort in der Nähe von Lagos. Hier sollte meine Mutter, ob sie wollte oder nicht, gemeinsam mit meinem Vater ihre allererste Trainerstunde erhalten. Der Golfprofessional hieß Luis, war ein waschechter  Portugiese von 55 Jahren und hatte eine Engelsgeduld. 


Ich weiß heute noch nicht, ob es daran lag, dass Luis vielleicht doch an meinen Eltern verzweifelte oder ob er schon von Anfang an bemerkte, wie ich ganz hibbelig dahinter auf einer Bank saß und es mir in den Fingerspitzen kribbelte, das Ganze doch auch einmal ausprobieren zu dürfen. In jedem Fall ließ Luis nach einer Weile meine Eltern meine Eltern sein, kam zu mir, stellte einen alten Blecheimer mit Bällen neben mich und drückte mir irgendeinen Schläger in die Hand.

Gute 20 Jahre später werde ich eines nie vergessen: Das Gefühl in den Händen, den Klang in den Ohren und das Bild in den Augen, wenn man einen Golfball zum allersten Mal so trifft wie man sich das vorstellt... er fliegt wirklich! Es brauchte nicht viel: Lediglich einen aufmerksamen Golftrainer, probierfreudige Eltern und ein paar erste kleine Tricks, die mir von Luis verraten wurden und schon war auch ich infiziert!

In den folgenden Jahren bin ich übrigens noch häufiger zurück an diesen magischen Ort gekommen. Luis war der einzige Trainer, bei dem ich in meiner Anfangszeit je Stunden nahm und ich habe gewiss viele Dinge von ihm lernen können. Eines seiner Zitate jedoch - es war eines von dem Tag, an dem er mir einfach einen Schläger in die Hand drückte - möchte ich euch nicht vorenthalten. Er sagte mir damals: "Let the club do." Auf Deutsch: Lass den Schläger die Arbeit tun. So richtig begriffen habe ich diesen Tipp indes erst, nachdem ich den Film "Die Legende von Bagger Vance" gesehen habe. Und noch heute versuche ich, mich an weniger guten Tagen vor allem an diese Worte zu erinnern! 

Wie ich eingangs schrieb, faszinierte mich der Sport schon von kleinauf. Um so mehr mich nun auch Golf in seinen Bann zog, desto erfolgreicher wurde ich gleichzeitig im Fußball. Neben Einladungen zu Stützpunkttrainings kamen größere Vereine auf mich zu mit der Bitte, für sie zu spielen. Da neben dem Sport peu à peu auch die Schule eine größere Rolle spielte, musste ich eine Entscheidung treffen: Golf oder Fußball? Für beides gleichzeitig war einfach nicht genug Platz in meinem Leben. 

Am Ende gab der soziale Faktor den Ausschlag. Während ich beim Fußball stets Aspekte wie Teamgeist oder mit meinen Freunden gemeinsam Zeit verbringen zu können, wertschätzte, konnte ich Golf damals fast ausschließlich mit meinen Eltern oder alleine spielen. Kinder in meinem Alter, geschweige denn Freunde, die Golf spielten, gab es nicht. So kam es, dass ich mich letztendlich gegen Golf und für den Fußball entschied - eine Entscheidung, die ich heute anders treffen würde...



Yannick Beyss

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