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Ian Poulter - Held auf Abruf

Wenn scheinbar alle Lichter ausgehen und ein ganzes Team mit dem Rücken zur Wand steht, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich Leader von Mitläufern unterscheiden.

Er liebt diese Situationen, den Druck, die leidenschaftliche Stimmung und ist außerdem noch mit der Eigenschaft gesegnet, im Ryder Cup über sich hinauszuwachsen, die Rede ist von: Mr Ryder Cup – Ian James Poulter.

Geboren und aufgewachsen in der südenglischen Kleinstadt Hitchin, machte Poulter 1993 als Zuschauer seine ersten Erfahrungen mit dem Ryder Cup. Dabei blieb ihm vor allem die magische und äußerst aufgeheizte Atmosphäre in Erinnerung. Schon damals reifte in ihm der Wunsch selbst diesen „wahnsinnigen Adrenalin-Kick“ zu spüren. Und 19 Jahre später sollte er diese Chance erhalten.

Poulter, der bereits in seinen drei vorherigen Ryder Cups eine eindrucksvolle Bilanz von acht Siegen gegenüber drei Niederlagen aufzuweisen hatte, erhielt im August 2012 von Kapitän Jose Maria Olazabal eine Wild Card, nachdem er es nicht geschafft hatte sich über die Qualifikationsrangliste einen Platz im Team zu sichern. Eine berechtigte Wahl, denn niemand lebt den Ryder Cup mehr als Ian Poulter:

„Ich habe die ganze letzte Woche an den Ryder Cup gedacht und konnte nicht mehr schlafen. Ich kann es nicht abwarten“

Doch die Vorfreude verflog schnell, da die seit 2006 sieglosen US-Boys groß aufspielten und kurz vor Ende des zweiten Tages scheinbar uneinholbar mit 10:5 in Führung lagen. Das europäische Team schien von der feindseligen Stimmung und dem Auftrumpfen der Gastgeber fast gelähmt. Eine Initialzündung wurde benötigt. Und Poulter lieferte sie ab.

Im letzten Fourball - Match des Tages lagen Poulter und sein Partner McIlroy gegen das amerikanische Duo Dufner/Johnson 2 down bei noch 5 zu spielenden Löchern, aber dann lief Poulter wie auf Knopfdruck heiß. 


5 Birdies in Folge notierte er auf der Scorecard. Sein Jubel wurde von Schlag zu Schlag lauter, sein Blick immer angsteinflössender. So bemerkte Kumpel McIlroy nach der Runde: „Heute musste Ian seine Sonnenbrille absetzen, sonst hätten seine Augäpfel die Gläser durchstoßen.“

Die Schockwellen von Poulters Leistungsexplosion zeigten bei beiden Teams jedenfalls weitreichende Wirkung. Am nächsten Tag nämlich sollte das Team Europe ein heroisches Comeback auf dem Medinah Golf&Country Club hinlegen. Angeführt von einem erneut bärenstarken Poulter gewannen sie schließlich mit 14,5:13:5 und auch wenn Deutschlands Golfstar Martin Kaymer den entscheidenden letzten Putt verwandelte, so war allen klar wer sie auf die Siegesspur geführt hatte:

„Er (Poulter) war fantastisch. Zum ersten Mal überhaupt während dieser Veranstaltung hatten wir das Momentum auf unserer Seite. Wir haben unseren Glauben an uns wiedergefunden. Ohne Ians Eingreifen hätten wir dieses Comeback mit Sicherheit nicht geschafft.“ 


Poulter selbst beschreibt den Erfolg im Ryder Cup „wichtiger als jeden Major-Sieg“ und wer dabei das Feuer in seinen Augen sieht, weiß, dass es für ihn tatsächlich nichts größeres gibt als im bedeutendsten Kontinentalvergleich auf „feindlichem“ Territorium zu triumphieren.

So verwundert es kaum, dass Poulter sogar so weit geht, zusammen mit seinen Kindern aus dem Cup-Trophäe Cornflakes zu frühstücken. Bei jedem anderen wäre das Geschrei groß gewesen, doch Poulter gesteht man dies zu. Bei ihm weiß man, dass dies aus Liebe zum Cup geschieht. Umso erstaunlicher ist es allerdings, dass Poulter – trotz all seiner Glanzleistungen beim Ryder Cup – auf der regulären, jährlichen Tour noch immer nicht den Sprung in die absolute Weltspitze geschafft hat.

Erklärbar ist dies womöglich durch die rar gesäten Turniere im Matchplayformat, vor allem aber durch den mentalen Aspekt. Poulter fehlen auf der Tour Stimmung und Adrenalin:

„Nirgendwo ist die Stimmung besser als beim Ryder Cup.“ 

Und dies ist für den leidenschaftlichen Emotionsgolfer die entscheidende Voraussetzung um heiß zu laufen und sein - auf dem Leistungshöhepunkt so faszinierendes - Golf zu zeigen.

Womöglich ist es allerdings nur eine Kleinigkeit die Poulter zur Weltspitze fehlt. Sonst immer durch außergewöhnliche Golfbekleidung auffallend, sollte er sich vielleicht einfach in einem Ryder-Cup-Polo an den ersten Abschlag stellen. Denn sein Buddy Paul Lawrie bemerkte nach dem Wunder von Medinah treffend: 


„Zieht Ian ein Ryder-Cup-Shirt an und er ist der beste Golfer der Welt!“

Wenn auch das nicht helfen sollte, so müssen sich die Ian Poulter Fans wohl doch bis September gedulden. Denn dann ist hoffentlich wieder Ryder Cup Time in Whistling Straits und es wird sicher nicht lange dauern bis das US-Team wieder das übliche „There´s only one Ian Poulter“ zu hören bekommt.



Yannick Beyss

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